Wein Mit Jürgen Hammer

Seit einigen Jahren ist die deutsche Weinlandschaft um eine Facette reicher: Sauvignon blanc begeistert Sommeliers und Konsumenten. Doch schon treten die Gralshüter der deutschen Weinkultur auf den Plan und möchten die jungen Pflänzchen am liebsten gleich wieder ausreißen. Da wird die Frage aufgeworfen, ob wir diese Rebsorte hier brauchen und ob es nicht gar Sünde sei, sie, statt beispielsweise Riesling, in wertvolle Weinbergsparzellen auszupflanzen. Doch man kann dem einiges entgegenhalten.
Die Sorte ist in Deutschland nämlich nichts Neues, sie wurde unter dem alten Namen Muscatsylvaner schon vor 150 Jahren angebaut. Allerdings geriet er in den Nachkriegsjahren in Vergessenheit. Dass sie meist als französische Sorte angesehen wird, liegt wohl daran, dass die wichtigsten Loire-Appellationen für Sauvignon blanc, Sancerre und Pouilly-Fumé, zu den bekanntesten trockenen Weißweinen der Welt zählen. Von hier aus startete sie ihren Siegeszug um die Welt. Vor allem in Kalifornien, Chile, Südafrika und Neuseeland fand sie beste Bedingungen. Aber auch in Regionen wie Friaul und Südtirol, Steiermark und Rueda in Spanien werden hervorragende Weine aus dieser Sorte erzeugt. Mit knapp 80 000 Hektar Anbaufläche weltweit ist sie eine der 20 meistangebauten Rebsorten.
Also wollten auch deutsche Winzer an diesem Erfolg teilhaben. Nach den ersten Versuchsanlagen Ende der 80er-Jahre hat sich Sauvignon blanc bei uns etabliert. Auch die Sommeliers freut's! Sauvignon blanc ist ein großartiger Begleiter zu Ziegenkäse, Sushi, Pesto oder grünem Spargel - und nun kann man bei der Weinempfehlung endlich auch auf Gewächse aus Deutschland zurückgreifen!
Einer der Pioniere für Sauvignon blanc in unseren Breiten ist Gerhard Aldinger aus Fellbach bei Stuttgart, der schon 1989 mit dem Versuchsanbau begann und inzwischen regelmäßig Weine produziert, die dem internationalen Vergleich standhalten. Sein 2006er Sauvignon blanc "Cuvée S", eine Cuvée aus verschiedenen Lagen, ist zu 10 Prozent im Barrique ausgebaut und besticht durch seine Vielschichtigkeit, die auch von den unterschiedlichen Terroirs herrührt. Im Duft erinnert er an rote Stachelbeeren und Minze. Die Säure wird von einer kräftigen Mineralität unterstützt, die dem Wein Tiefgründigkeit verleiht. Wenn Sauvignon blanc aus Deutschland so gut schmeckt, sollte man ihn nicht in Frage stellen!
Jürgen Hammer ist Chef-Sommelier der "Weinbar Rutz" in der Chausseestraße
Weingut Gerhard Aldinger
Schmerstr. 25 / Ecke Lutherstr., 70734 Fellbach
Tel.: 0711 / 581417
www.weingut-aldinger.de