Wein - Mit Jürgen Hammer
Es ist erstaunlich, wie konservativ wir bei einem einfachen Thema wie Weinverschlüsse sein können. Bei anderen Getränken sind wir für Innovationen offen - Bier gibt es in der PET Flasche, Paris Hiltons Prosecco in der Dose. Aber beim Wein klammern wir uns an die Tradition des Naturkorkens. Der Ärger über verdorbene Flaschen und Fälle, wie der des Kultwinzers Elio Altare aus Piemont, der zwei Drittel seines Top Barolo, Jahrgang 1997, in den Gully schütten musste, konnten daran bisher kaum etwas ändern.
Aber kann es denn wirklich sein, dass wir unser Geld für fehlerhafte Weine ausgeben, oder dass die Arbeit der Winzer durch schlechte Verschlüsse kaputt gemacht wird? Natürlich geht es nicht darum, den Kork abzuschaffen - aber es gibt andere Möglichkeiten: Eine davon ist der Kunststoffkork, der auch recht gut akzeptiert wird, weil man die Flasche, wie gewohnt, mit dem Kellnermesser aufziehen kann. Aber Vorsicht: für eine längere Lagerung als 1-2 Jahre ist er nicht geeignet, da das Material porös wird.
Eine ästhetisch wundervolle Lösung stellt der so genannte "Vinoloc" dar. Ein Glasstopfen wird durch einen Silikonring auf der Flasche befestigt. Das sieht schön aus, ist aber hinsichtlich der Dichtigkeit und Langlebigkeit noch zu wenig getestet. Eine nahe liegende Idee ist der Verschluss mit Kronkorken. Zwar löst das bei den Verbrauchern oft Empörung aus. Viele von ihnen wissen aber nicht, dass der Kronkorken in der Champagnerproduktion seit Jahrzehnten verwendet wird und auch die teuersten Flaschen während der Gärung bis zum Versand damit verschlossen bleiben. Das ist zwar etwas gewöhnungsbedürftig, aber es funktioniert auch für Wein prima. Doch die praktikabelste Lösung scheint im Moment der Schraubverschluss "Stelvin Cap" zu sein. Bezahlbar, einfach zu handhaben, in Australien seit über 30 Jahren bewährt und eine Garantie für korkfehlerfreie Weine.
Als Beispiel möchte ich Ihnen einen Wein von Spitzenwinzer Karl Heinz Johner aus Bischoffingen am Kaiserstuhl vorstellen, der das Konzept Stelvin Cap konsequent umsetzt. Johners 2005 Grauburgunder duftet verführerisch nach reifer Birne und Honigmelone, 25 Prozent gebrauchte Barriques verleihen ihm Stoffigkeit und Kraft, Finesse und gut eingebundene Säure halten ihn in der Balance. Und eins ist sicher: Das leise Knacken des Stelvin Cap garantiert ungetrübten Trinkspaß. Also: Dreht auf!
Jürgen Hammer ist Chef-Sommelier des Restaurants "Weinbar Rutz" in der Chausseestraße
Weingut Karl H. Johner GbR
Gartenstraße 20
79235 Vogtsburg-Bischoffingen
Telefon: 07662 / 6041
Telefax: 07662 / 8380
Internet: www.johner.de