Wein mit Jürgen Hammer

Bevor ich den sympathischen Thorsten Melsheimer persönlich kennen lernte, war ich zuerst auf die Winzergruppe "Der klitzekleine Ring" aufmerksam geworden. Zunächst eigentlich, weil ich den Namen witzig fand; man weiß erst mal nicht, ob es sich dabei um Ironie oder Understatement handelt. Das ist auch eigentlich egal, denn das Ziel dieses Zusammenschlusses junger Winzer ist aller Ehren wert: der Schutz und Erhalt der wertvollen Steillagen und der gewachsenen Weinkultur an der Mittelmosel! Und dann, Ende Februar 2007, tauchte die Truppe überraschend bei uns in der Weinbar Rutz auf. Nach einigen Gesprächen und diversen "verkosteten" Flaschen war mein Interesse an Melsheimers Weinen geweckt. Das Weingut befindet sich seit 200 Jahren in Familienbesitz und die 11 ha werden seit 1997 nach den strengen Richtlinien von Ecovin bewirtschaftet. Da 97 Prozent der Fläche Steil- und Steilstlagen sind, braucht man die aufwendige Handarbeit eigentlich gar nicht betonen, an Maschineneinsatz ist hier sowieso nicht zu denken. Besonders gut gefällt mir an Melsheimer, dass man ihm den ökologischen Gedanken voll abkaufen kann und dass er nicht, wie manch anderer, "Öko macht", weil Öko chic und trendy ist.
Das spürt man in seinem glühenden Engagement und, was noch viel wichtiger ist, in seinen Weinen. Sein Rieslingstil ist nichts für Primärfrucht-Junkies, die nur auf schnell gemachte, vordergründige Weine stehen. Seine Weine brauchen Zeit, sowohl bei der Vinifikation, als auch auf der Flasche. Terroir, Vielschichtigkeit und Finesse lassen sich nicht mit Technik in die Weine transportieren, sondern nur durch akribische Arbeit im Weinberg im Einklang mit der Natur und durch einen schonenden, zurückhaltenden und langsamen Ausbau im Keller. Mir hat der feinherbe 2006er Riesling Kabinett aus der Lage Reiler Mullay-Hofberg super gefallen. Der Duft ist dicht gewoben und zeigt erst nach einigen Minuten im Glas und einer etwas höheren Temperatur, was er wirklich drauf hat. Dem Glas entströmt der Duft des Schiefers, untermalt von reifen gelben Früchten und feinen Kräuternoten. Im Mund begeistert die perfekte Balance von Süße und Säure, die Mineralität verleiht ihm Klarheit und Länge. Auf jeden Fall einer der anspruchsvollsten "Spaßweine", den ich in letzter Zeit verkostet habe. Essen muss man dazu nicht unbedingt etwas, aber er passt auf jeden Fall toll zur leichten Küche des Sommers, besonders wenn Curry im Spiel ist. Aber auch so macht er Lust auf den nächsten Schluck!
Weingut E. & T. Melsheimer
Dorfstr. 21, 56861 Reil an der Mosel
Tel: 06542-2422
Fax: 06542-1265
Aus der Berliner Morgenpost vom 17. Juni 2007