Wein Mit Jürgen Hammer

Leider wird die Grande Nation des Weinbaus oft auf die Klassiker Burgund, Bordeaux, Loire und Champagne reduziert. Dabei gibt es in Frankreich so viel mehr zu entdecken! Man muss sich aber nicht wundern, dass viele Weinfreunde die ehemals klangvollen Namen wie Bergerac, Cahors oder Madiran nicht mehr kennen. Die Geschichte der Regionen im Südwesten reicht zwar bis tief zurück ins Mittelalter. Ihre große Zeit hatten die Anbaugebiete allerdings im 19. Jahrhundert.
Danach begann der Niedergang: Mit der wichtigste Grund war die Reblausplage Ende des 19. Jahrhunderts, die so gut wie alle Reben zerstörte und eine Landflucht auslöste. Auch die beiden Weltkriege trugen nicht gerade zu einer Renaissance dieser traditionsreichen Regionen bei und sie gerieten in Vergessenheit. Ab den 50er-Jahren gab es zwar erste Anstrengungen, diese Regionen wieder aus ihrem Dornröschenschlaf zu wecken. Erst in den späten 80ern aber, nachdem mehr und mehr Weintrinker von den explodierenden Preisen in Burgund und Bordeaux abgeschreckt wurden, begann die internationale Nachfrage nach Weinen aus dem Südwesten stetig zu steigen. Motiviert durch diesen Erfolg verstärkten viele Winzer ihre Anstrengungen, Spitzenweine zu erzeugen, noch mehr. Auch von Außen kamen viele positive Einflüsse, denn eine ganze Reihe von jungen Önologen erkannte das Potenzial dieser Gebiete. Auf der Suche nach neuen Herausforderungen taten sich hier ungeahnte Möglichkeiten auf: einzigartige Terroirs und ein reicher Schatz an interessanten autochthonen Rebsorten.
Eine der Regionen im Südwesten, die mich fasziniert, ist das Jurançon. Besonders die Süßweine aus diesem Gebiet, erzeugt aus den Rebsorten Petit und Gros Manseng, hatten bereits im 16. Jahrhundert einen legendären Ruf. Spannend sind aber auch die trockenen Jurançon. Erzeugt werden sie aus denselben Sorten mit einem kleinen Anteil Petit Courbu. Ausgestattet mit exotischer Frucht und knackiger Säure verfügen sie, wie die Süßweine, über ein fantastisches Reifungspotential. Ein Beispiel hierfür ist der 2004 "Cuvée Marie" Jurançon sec von Charles Hours. Unbedingt dekantieren und große Gläser nehmen! Dann entfaltet sich ein Duft nach weißen Blüten und reifer Ananas mit dezenter Holznote. Im Mund fühlt er sich opulent an, ist aber durchzogen von einer frischen, mineralischen Säure. Eine wilde, faszinierende Entdeckung!
Jürgen Hammer ist Chef-Sommelier der "Weinbar Rutz" in der Chausseestraße
Clos Uroulat
Charles et Marie HOURS
64360 Monein
Tel: 0033 05 59 21 46 19
www.uroulat.com