Wein Mit Jürgen Hammer

Das "Pfefferl", also der dezentwürzige Duft nach frisch gemahlenem schwarzen Pfeffer, ist das signifikanteste Merkmal von Österreichs absoluter Top-Weißweintraube, dem Grünen Veltliner. Man kann ihn guten Gewissens als autochthon bezeichnen, denn außerhalb der Alpenrepublik spielt er kaum eine Rolle. Eigentlich ist das verwunderlich, denn die Sorte kann eine Vielzahl von unterschiedlichsten Stilen hervorbringen. Vom leichten, frischen Landwein über monumentale, kraftvolle, spät gelesene Weine, bis hin zu Barrique-Ausbau und edelsüßen Weinen: Der Veltliner bietet für jeden Geschmack etwas.
Die österreichischen Winzer hegen diesen Schatz. Nicht umsonst ist rund ein Drittel der Gesamtrebfläche mit Veltliner bestockt.
Das war nicht immer so: Vor der Reblausplage Ende des 19. Jahrhunderts spielte auch der Silvaner in Österreich noch eine große Rolle und der Veltliner begann erst bei der Neubepflanzung der Weingärten seinen Siegeszug und setzte sich in den 50er-Jahren endgültig durch. Nach dem verheerenden Weinskandal Mitte der 80er-Jahre, der die österreichischen Weinexporte fast zum Erliegen brachte, gründete auch der Neuanfang zunächst auf der Qualität der Grünen Veltliner.
Die Rebsorte findet Österreich ideale Klima- und Bodenbedingungen. Ob auf Löß, Lehm und Ton, wo er etwas robuster ausfällt, oder auf Urgesteinsböden, die ihm mehr Würze und Mineralität mitgeben - er bringt hervorragende Ergebnisse. Ich möchte heute einen Wein aus dem noch etwas unbekannteren Traisental vorstellen. Es ist das jüngste Anbaugebiet Österreichs (seit 1995) und liegt eingebettet zwischen Wachau und Donauland. Seit 2006 dürfen die Veltliner hier das Siegel "Traisental DAC" führen; dies steht für "Districtus Austriae Controllatus" und garantiert sorten- und gebietstypischen Weine.
Der Winzer Ludwig Neumayer aus Inzersdorf leistet hier Außergewöhnliches. Er erzeugt Weine mit Klarheit, Kraft und Langlebigkeit. Ein Schulbeispiel für österreichische Spitzenveltliner ist sein 2006er aus der Riede "Rafasetzen". In der Nase zeigt er die pfeffrige Note und eine feine Birnenfrucht, ein würziger und fokussierter Veltlinertypus. Am Gaumen sehr kompakt, besitzt er im Kern eine exotische Säurestruktur und zeigt sich noch ein wenig unzugänglich. Er braucht noch Flaschenreife oder eine Dekantierkaraffe und große Gläser. Tu felix Austria!
Jürgen Hammer ist Chef-Sommelier in der "Weinbar Rutz" in der Chausseestraße
Ludwig Neumayer
3130 Inzersdorf ob der Traisen Nr. 22
Tel./Fax: +43 (2782) 829 85
www.weinvomstein.at