Weinkolumne

Von Jürgen Hammer
Nachdem seit den 90er-Jahren hauptsächlich Gerbstoffboliden und Alkoholbomben in der Gunst der Rotweintrinker ganz vorne lagen, zeichnet sich ein Trend zurück zum eleganten Roten ab. Am meisten profitiert davon der Pinot Noir (Spätburgunder). Lange wurde er von vielen Weinfreunden ignoriert, weil er so gar nicht in das vorherrschende Rotweinschema passte: Er ist eben nicht blickdicht schwarz, sondern relativ hellfarbig und er ist kein Gerbstoffmonster, sondern säurebetont und rund.
Aber Blockbuster-Weine machen schnell satt und werden auf Dauer langweilig. Pinot Noir dagegen ist eine fordernde Rebsorte. Denn alleine in seinem Mutterland, der kleinen Region Burgund, gibt es die verschiedensten Pinot-Noir-Typen, von elegant und transparent bis kraftvoll und fruchtbetont. Auch in Deutschland hat sich die Qualität der Spätburgunder gewaltig verbessert und die Palette reicht nun von den feinen Weinen der Ahr bis zu den wuchtigen Spätburgundern aus Baden und der Pfalz.
Dass sich weltweit mehr und mehr Winzer mit dem Anbau von Pinot Noir beschäftigen, ist keineswegs selbstverständlich, denn er ist kapriziös. Da er recht früh ausreift, ist er nur für relativ kühle Regionen geeignet, weil hier die Reifeperiode verlängert wird und sich genügend Geschmacksstoffe bilden können. In heißen Regionen wird er meist plump. Auch der Boden muss stimmen. Kalkhaltige Böden, Schiefer oder Vulkanböden sollten es schon sein, sonst fühlt er sich nicht wohl und die Ergebnisse sind entsprechend. Die Trauben sind dünnschalig und haben wenige Kerne, deshalb sind die Weine hellfarbig und der Tanningehalt geringer als bei anderen Rebsorten. Die Dünnschaligkeit der Beeren birgt das Risiko, dass sie bei Regen in der Vollreife aufplatzen und faulen.
Winzer, die große Pinot Noirs machen, sind Spielernaturen, denn nur bei Vollreife kann der Wein seine ganze Faszination entfalten. Lässt man die Trauben lange hängen, wächst die Gefahr, dass das Wetter einen Strich durch die Rechung macht. Einer, der das Spiel perfekt beherrscht, ist Wolf Dietrich Salwey aus Oberrotweil am Kaiserstuhl. Mit seinem 2004 Oberrotweiler Kirchberg Spätburgunder "RS" zeigt er eindrucksvoll den Facettenreichtum der Rebsorte. Der Duft ist geprägt von Sauerkirsche und Roter Bete. Im Mund glänzt er mit saftiger Frucht und feiner Säure und zeigt sich balanciert und lang. Ein Hoch auf die Eleganz!
Jürgen Hammer ist Chef-Sommelier der "Weinbar Rutz" in der Chausseestraße
Weingut Salwey
Hauptstraße 2
D-79235 Oberrotweil am Kaiserstuhl
Tel.: 07662-384