Wein mit Jürgen Hammer
Eigentlich liegt es ja auf der Hand, dass wir unsere Nahrungsmittel nicht vergiften sollten. Allerdings tragen wir Konsumenten mit unserer Haltung, jederzeit alles verfügbar haben zu wollen, mit Schuld an der schlechten Qualität vieler Produkte. Der Slogan "Geiz ist geil" hat eine gewaltige Eigendynamik entwickelt. Aber unter uns gesagt: Authentische, mit dem Respekt vor der Natur per Hand erzeugte Produkte sind viel geiler!
Sind also die verschiedenen Biosiegel eine Garantie dafür, dass wirklich eine bessere Weinqualität in der Flasche steckt? Die Antwort darauf muss, leider, ein klares Nein sein. Einerseits ist es mit Sicherheit so, dass ökologisch erzeugte Weine hinsichtlich des Schutzes der Natur und dem Gedanken des nachhaltigen Wirtschaftens gegenüber Weinen aus industrieller Produktion deutlich im Vorteil sind. Andererseits erzeugen Bio-Winzer aber keineswegs zwangsläufig die besseren Weine - genauso wenig, wie konventionell erzeugte Weine generell schlecht sind. Was nützt uns Genusstrinkern schon ein "Bio" auf dem Etikett, wenn der Wein keinen Spaß macht?
Eines kann man allerdings festhalten: Winzer mit dem konsequenten Streben nach der besten Qualität ihrer Trauben werden zwangsläufig auf die Gedanken des ökologischen Weinbaus zurückgreifen, ohne dass der Begriff "Bio" zum Dogma wird. Nur wer mit Respekt vor der Natur im Weinberg agiert, schafft ein intaktes Ökosystem, das optimale Traubenqualität mit Bezug zum Terroir überhaupt erst ermöglicht. Das übrigens, auch ohne diese Tatsache unbedingt werbewirksam zu postulieren. Stellvertretend für viele Winzerbetriebe, die diese Gedanken umsetzen, möchte ich hier einen Wein vom Weingut Heymann-Löwenstein an der Terrassenmosel vorstellen. Der 2004 Riesling Schieferterrassen von Reinhard Löwenstein ist ein Idealbeispiel für einen Terroirwein, erzeugt nach ökologischen Richtlinien, aber ohne Biosiegel. Der Duft ist vollgepackt mit reifen Früchten und untermalt mit der feinen Mineralität des Schiefers. Im Mund schmeckt er voll und saftig, glänzt aber gleichzeitig mit moselanischer Feinheit und Frische. Zitat Reinhard Löwenstein: "Terroir steht für einen ökologisch verantwortlichen Umgang mit der Natur, sowohl im Weinberg als auch im Keller, und damit für einen bewussten Verzicht auf die vielen zweifelhaften Segnungen der Moderne." Ich sage: Bio ist gut, Terroir ist besser.
Jürgen Hammer ist Chef-Sommelier des Restaurants "Weinbar Rutz" in der Chausseestraße
Weingut Heymann-Löwenstein
Bahnhofstr. 10, 56333 Winningen
Telefon +49 2606 1919
Telefax +49 2606 1909
www.heymann-loewenstein.de